Aus aktuellem Anlass, wegen des Rücktritts von Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten gestern Mittag möchte ich heute über den sogenannten Gottesbezug in der Präambel unseres Grundgesetzes nachdenken. Diese lautet in ihrer aktuellen Fassung:
- "Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.
- Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk."
Verantwortung vor Gott und den Menschen - was bedeutet das?
Die meisten Politiker der Gegenwart und andere Personen des öffentlichen Lebens verstehen unter Verantwortung und dieselbe zu übernehmen, dass sie den berühmten Hut nehmen und die Brocken hinschmeißen, d.h. also ihr Amt niederlegen und zurücktreten, sobald ihnen der Gegenwind schärfer ins Gesicht bläst, weil sie auf vermeintliche Fehler hingewiesen werden, begangenes Unrecht eingestehen sollen oder der politische Mainstream gegen sie gerichtet ist, die breite Mehrheit nicht mehr auf gleicher Linie bzw. derselben Meinung ist. Die aktuellen Rücktritte in der jüngeren Vergangenheit haben dies bewiesen: Franz Josef Jung, Margot Käßmann, Horst Köhler, Theodor zu Guttenberg – und nun Christian Wulff.
Doch Verantwortung zu haben und zu tragen bedeutet, dass ich bereit bin, für das was ich sage und tue zu jederzeit und gegenüber jedermann Rechenschaft abzulegen und gegebenenfalls die Konsequenzen dafür zu tragen. Insbesondere dann, wenn ich eigentlich nichts Unrechtes getan habe, wofür man mit einer Strafe rechnen müsste, sondern vielmehr zur Klärung eines Missverständnisses beitragen könnte.
In wohltuendem Kontrast dazu stehen die folgenden beiden Beispiele von Politikern, welche nachgewiesene Schuld zugegeben, sowie Versäumnisse eingeräumt haben:
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Das Bekenntnis von Außenminister Joschka Fischer zu seiner militanten Vergangenheit hat 2001 im Bundestag eine Grundsatzdebatte über die politischen Auseinandersetzungen der 70er-Jahre ausgelöst.
Fischer machte den Beginn seiner Arbeit für die Grünen Anfang der 80er-Jahre für seinen Wandel zum Demokraten mitverantwortlich. Er schließe bis heute Gewalt als allerletztes Mittel nicht aus, sonst hätte er beim Beginn des Kosovo-Krieges zurücktreten müssen. Doch die linke Gewalt der 70er-Jahre sei falsch gewesen. "Ich habe damals Unrecht getan." Seit jener Zeit habe er nie zu Gewalt aufgerufen, auch nicht in der Auseinandersetzung um die Castor-Atomtransporte der 90er-Jahre. Fischer warf seinen Kritikern vor, die "Grenzen der Erinnerung" überzustrapazieren.
In der Fragestunde des Parlaments, an die sich eine Aktuelle Stunde anschloss, räumte er ein: "Ich war militant. Ich habe mit Steinen geworfen. Ich war in Prügeleien mit Polizeibeamten verwickelt. Ich wurde geprügelt, aber ich habe auch Polizeibeamte geschlagen. Das habe ich nicht zum ersten Mal hier gesagt, und dazu stehe ich. Ich stehe zu meiner Verantwortung." Er habe nie Brandsätze geworfen und auch nicht dazu aufgerufen. Er habe Steine geworfen, aber nach seiner Kenntnis niemanden verletzt. (Quelle: Spiegel Online)
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Der wegen der Katastrophe bei der Loveparade 2010 mit 19 Toten in die Kritik geratene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland lehnt seinen Rücktritt ab. Er könne diese Forderung nachvollziehen, teilte das Stadtoberhaupt in einer schriftlich verbreiteten Stellungnahme mit. "Doch heute und in den nächsten Tagen muss es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen."
Zuvor hatte Sauerland einen Rücktritt nicht gänzlich ausgeschlossen. "Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen, das steht außer Frage", sagte er am Morgen im Radiosender WDR2 . Zunächst müsse es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse vom Samstag aufzuarbeiten. "Und wenn wir wissen, was da passiert ist, dann werden wir auch diese Frage beantworten. Das verspreche ich." (Quelle: Zeit Online)
Außenminister Joschka Fischer hat sich zu dem von ihm begangenen Unrecht bekannt und durch seinen geänderten Lebenswandel, welcher seine veränderte Einstellung beweist, gezeigt, dass er sein Fehlverhalten von einst einsieht und bereut. Oberbürgermeister Sauerland hat sich durch seine Aussage im Prinzip eine gewisse Mitschuld/Mitverantwortung seiner Person eingeräumt, sowie seine Bereitschaft signalisiert für die Folgen geradezustehen.
Genau das ist es was Gott auch von jedem erwartet, der sich zu ihm bekennt.
Die Bibel geht aber sogar noch weiter. Sie berichtet von Menschen die nicht nur für eigene Schuld die Verantwortung übernehmen, sondern auch für das von anderen Menschen begangene Unrecht, für die Fehler ihrer Könige bzw. Amtsvorgänger. Der König Hiskia (2. Könige 19 bzw. Jesaja 37, 1-4), der Prophet Daniel (Daniel 9, 4-15), sowie Nehemia (Nehemia 1, 4-7) bekennen sich vor Gott zu den Sünden des Volkes Israel als wären es ihre eigenen. Sie stellen sich damit unter eine Art Kollektivschuld und bitten Gott um Vergebung.
Noch weiter geht schließlich Jesus Christus: er nimmt stellvertretend für uns alle die Sünden der ganzen Welt auf sich und trägt dafür die Folgen. Er nimmt die Strafe auf sich die eigentlich wir hätten tragen sollen und stirbt einen grausamen Tod, eines Verbrechers gleich am Kreuz.
"Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet." (Jesaja 53, 5)
Doch kommen wir dadurch nun unbehelligt davon? Nein, alle Menschen werden einmal vor Gott Rechenschaft darüber ablegen müssen was sie gesagt oder getan haben. Diesem Prozess kann sich kein Mensch durch Rücktritt entziehen.
Jesus sagt: "Ich sage euch aber, daß die Menschen müssen Rechenschaft geben am Jüngsten Gericht von einem jeglichen unnützen Wort, das sie geredet haben. " Matthäus 36, 12)
Paulus schreibt: "So wird nun ein jeglicher für sich selbst GOtt Rechenschaft geben." (Römer 14, 12)