Vor etwas mehr als drei Jahren hat mir mein Vater ein wunderbares, für mich unsagbar wertvolles Geschenk gemacht. Eine Foto-CD mit 100 Bildern aus meiner Kindheit/Jugend, davon 80 aus den ersten 7 Jahren meines Lebens.
Beim Ansehen der abgespeicherten Fotos stiegen vor meinen inneren Augen weitere Bilder in mir hoch, ich erinnerte mich an Erlebnisse und Personen, die ich fast schon vergessen hatte, an Empfindungen und Eindrücke, die für mich damit verbunden sind bzw. waren. In den den ersten Tagen nach dem ich diese CD erhalten habe ich mir immer und immer wieder diese Bilder angesehen. Mir schien es fast als hätte ich die Gelegenheit mittels dieser Bilder in der Zeit zurück, nochmals in meine Vergangenheit zu reisen. Es war wie ein Zauber, der von diesen Bildern ausging.
Doch nach einigen Tagen, mit der Zeit legte sich das, der Zauber wurde schwächer, Empfindungen und Eindrücke verblassten. Die Bilder wurden das, was sie eigentlich sind: eine Ansammlung von bunten Pixeln gespeichert auf irgendeinem Datenträger.
Eines dieser Bilder kann übrigens jetzt als Profilbild auf meiner Facebook-Chronik betrachtet und bewundert werden. (Na bin ich nicht ein süßer, blonder Engel?)
Fotografieren ist ein schönes und nützliches Hobby, Erlebnisse und Situationen geraten sehr schnell in Vergessenheit. Mithilfe einer Kamera können diese zumindest statisch festgehalten, elektronisch aufbewahrt werden. Es ist sicher auch sehr schön, wenn man sich Bilder aus vergangenen Zeiten, von epochalen Geschehnissen aus der Geschichte oder prägenden Ereignissen aus dem eigenen Leben anschauen kann. Das hilft uns das erlebte nicht zu vergessen, uns vergangene Stationen und Lebensumstände zu vergegenwärtigen. uns an frühere Freunde und Weggefährten zu erinnern.
Doch eines vermögen Bilder im Allgemeinen nicht: Sie geben niemals die Gefühle und Emotionen der abgebildeten Personen wieder. Auf Fotos sind nie die Gerüche, Töne und Stimmungen abgebildet bzw. gespeichert, die der fotografierende wahrnehmen konnte, als er auf den Auslöser drückte. Diese Dinge sind allein in unserem inneren, unserem persönlichen Gedächtnis gespeichert.
Das merkt man vor allem, wenn auf Fotos und Bildern Personen abgebildet sind, die in frühen Jahren zu unseren Weggefährten werden bzw. unseren Lebensweg kreuzen. Menschen, an die man sich auch nach Jahren noch sehr gut erinnern kann, die in unserem Gedächtnis lebendig bleiben, weil sie beispielsweise unsere besten Freunde sind oder waren. Oder auch Bekannte und Verwandte, die unsere Persönlichkeit, unseren Charakter formen und prägen.
Wie intensiv die mit Fotos verbundenen Emotionen und Gefühle gespeichert werden und bleiben, stellt man erst fest, wenn eine bestimmte Situation, ein Erlebnis vorüber ist. Oder auch wenn wenn wir mit jenen Menschen mit denen wir Ereignisse und Lebensabschnitte er- und durchlebt haben nicht mehr zusammen sind. Wenn die Personen die in unserer Erinnerung damit in Verbindung stehen nicht mehr da sind. Wenn wir uns von ihnen verabschiedet bzw. getrennt haben, diese weggezogen oder sogar gestorben sind.
Die Bilder und Eindrücke, die wir in unserem inneren, unserem Herzen gespeichert haben, sind dauerhafter als in Dateien gespeicherte Bilder oder auf Papier ausgedruckte Fotos.
Mit diesen Gedanken möchte ich diese Woche beenden und wünsche Euch allen ein schönes und erholsames Wochenende mit vielen stimmungsvollen Erlebnissen und einprägsamen Erfahrungen.