Im Februar durfte ich an einem Sabbatvormittag während des Gottesdienstes in einer Adventgemeinde der Predigt meiner Blog-Kollegin Kirsi Müller lauschen. Sie sprach über Erzählung der Heilung eines Gelähmten durch Jesus (Matthäus 9, 1-8). Dieser Vortrag hat mich an mein eigenes Leben erinnert.
Manchmal führen die Lebensumstände dazu, dass sich in ihrem Leben eine schlechte Angewohnheit, eine „Lieblingssünde“ o.ä. entwickelt. Das wirkt nicht selten, wie eine geistliche Lähmung die uns daran hindert, im Glauben voranzukommen. Das kann sogar bei auch bei gläubigen Menschen passieren, bei Leuten die sich schon längst entschieden haben Jesus nachzufolgen, ja sogar bei Christen, die bereits getauft sind.
"Denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe und suchet, welchen er verschlinge.“ (1. Petrus 5, 8)
Als Realschüler musste ich eine Erfahrung machen, die mich sehr negativ geprägt hat. Diese Erfahrung war bis vor wenigen Monaten ein großes Problem für mich. Das hat sich wie lähmend auf meine Fähigkeit ausgewirkt mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen oder gar eine feste, dauerhafte Beziehung (zu einer Frau) aufzubauen.
Dieses Problem hat darüber hinaus die Entwicklung einer schlechten Angewohnheit begünstigt, mit der ich mehrere Jahre zu kämpfen hatte. Das war wie eine Art Sucht. Vor allem aufgrund dessen bin ich nie ein Heiliger gewesen. Ich hatte immer die Hoffnung, dass Gott zuerst mein Problem löst, mir endlich hilft, eine Beziehung aufzubauen. Ich erwartete, dass er mir einer Lebenspartnerin schenkt und dass ich dadurch mit meiner „Lieblingssünde“ fertig werde.
Aber Gottes Plan wollte es umgekehrt: Ich sollte zuerst dir Tragweite und die Folgen meiner Sünden erkennen und von meiner Schuld gereinigt werden. Gott hat mich letztes Jahr darauf recht deutlich aufmerksam gemacht und von meiner Sucht befreit. Dadurch hat er mir die Möglichkeit geschenkt, noch einmal neu mit Ihm anzufangen.
Letztes Jahr im August hat Gott mich durch eine Geschichte, die ich Internet gelesen habe, auf meine Lieblingssünde bzw. Sucht aufmerksam gemacht. Es ist eine reale Geschichte, in der ein junger Mensch auf dramatische Art sein Leben verlor. Am darauffolgenden Sabbat ging es in der Predigt um die Kreuzigung von Jesus. Anhand von Musikstücken aus Händels Messias und Texten von Ellen G. White wurde diese sehr eindrücklich dargestellt.
Nachmittags habe ich dann zuhause den Film „Die Passion Christi“ von Mel Gibson eingelegt. Es war nicht das erste Mal, dass ich diesen Film sah. Aber zum ersten Mal habe ich auch gefühlsmäßig sehr tief nachempfunden was es bedeutet, dass Jesus für meine Schuld am Kreuz gestorben ist. Jesus hat mich wirklich vom ewigen Tod gerettet. Die Geschichte, die ich im Internet gelesen hatte, wurde für mich zu einem Synonym für die Kreuzigung von Jesus. Die Art und Weise wie dieser andere Mensch ums Leben kommt gleicht in ihrer Brutalität dem Tod von Jesus am Kreuz. Dadurch wurde das Kreuz für mich zu einer Brücke ins "ewige Leben". Das war für mich ein „Damaskuserlebnis", das sehr befreiende Wirkung hatte. Darüber habe ich nach Ostern einen Artikel in meinem Blog veröffentlicht: Der große Graben und die Botschaft vom Kreuz
Um beim Bild eines Behinderten oder Gelähmten zu bleiben: Wenn ein Mensch, der viele Jahre gelähmt war, plötzlich geheilt wird und wieder gehen kann dann springt er nicht gleich wieder wie ein junger Hirsch durch die Gegend. Er muss sich erst langsam (wieder) an das Gehen gewöhnen. Wie ein Kleinkind muss er laufen lernen, er muss (vorsichtig) einen Schritt nach dem anderen machen. Genau das durfte ich erleben. Ich durfte erfahren, wie Gott mich offener, lockerer, freier im Umgang mit anderen Menschen macht und mir einen neuen Kontakt nach dem anderen schenkt. Und ich durfte erfahren, wie wohltuend das für mich ist. Doch dann wollte ich plötzlich zu viel auf einmal. Ich wollte nicht mehr (nur) die kleinen, vorsichtigen Schritte machen sondern einen großen weiten Sprung nach vorne schaffen.
Gott hatte mir zu Beginn dieses Jahres auch Begegnungen mit drei interessanten und attraktiven Frauen geschenkt. Diese Begegnungen verliefen Anfangs alle relativ vielversprechend. Mit zweien bin ich durch regelmäßigen Austausch per Mail, Telefon oder Facebook-Chat sehr gut in Kontakt gekommen, mit der dritten hatte ich mir das ebenso erwartet, zumal ich sie fast regelmäßig im Gottesdienst sehe. Deshalb ging ich auch bei jeder der Damen davon aus, dass Gott sie zu mir geführt hat, und machte mir doch große Hoffnungen endlich einmal nicht nur meine erste Freundin, sondern auch meine "Traumfrau" gefunden zu haben.
Doch die Kontakte bzw. Begegnungen verliefen dann nicht so, wie von mir gewünscht und erwartet. Darüber wurde ich die letzten Monate immer frustrierter. Ich machte mir immer mehr Sorgen über meinen Sozialstatus. Wurde immer verärgerter darüber, dass ich bei anderen, wesentlich jüngeren Menschen als ich mit ansehen muss, wie sie ihren Freund bzw. ihre Freundin abbekommen, während ich mit mittlerweile 36 1/2 Jahren immer noch darauf warte. Darüber geriet mir mein Erlebnis aus dem letztjährigen Sommer fast schon in Vergessenheit.
Immer häufiger schrie ich Gott in meinem Frust, meiner Verzweiflung an. Ich machte Ihm deutlich, dass ich Ihm bald nicht mehr glauben könnte, wenn Er mir nicht endlich meinen Wunsch erfüllen würde. Doch obwohl ich Ihn ausdrücklich auch darum gebeten habe, er möge mir doch bei der dritten eine Enttäuschung ersparen, handelte ich mir wieder einen Korb ein. Auf meinen Versuch via Mail und Facebook intensiver mit ihr in Kontakt zu kommen, erhielt ich die Antwort, dass sie keinen weiteren Kontakt mit mir wünscht.
Das saß wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht, das schmerzte wie ein Fußtritt unterhalb die Gürtellinie, in die für Männer schmerzhafteste Zone.
Doch dann kam der vergangene Sabbat, an dem ich den Gottesdienst in einer anderen Adventgemeinde besuchte. Der Gedanke daran, der Frau die mich offensichtlich verschmähte in meiner Heimatgemeinde zu begegnen und eine interessante Vortragsreihe, bewogen mich woanders hinzugehen.
Der Tag begann allerdings mehr als bescheiden, weil ich meinen Bus verpasst habe. Ich sah mich sogleich wieder in allen meinen Vorurteilen gegenüber Gott bestätigt. Während des Vortrags am Nachmittag erlebte ich wie Gott zu mir redete. Er zeigte mir, dass ich mein Vertrauen, meine Erwartungen fälschlicherweise auf ander Menschen, auf Frauen gesetzt hatte anstatt auf Ihn. Und ich erlebte, wie beim Hören Seines Wortes Sein Geist etwas in mir veränderte. Seither spüre ich sehr deutlich, dass aller Frust und aller Ärger, der sich die letzten Monate in mir angestaut hatte, langsam auflöst. Doch damit nicht genug. In diesen Tagen gewinnt die Freude über meine wunderbare Rettung wieder immer mehr Raum.
Create in me a clean heart, O God,
And renew a right spirit within me.
Create in me a clean heart, O God,
And renew a right spirit within me.
Cast me not away from Thy presence;
Take not Thy holy Spirit from me.
Restore unto me the joy of Thy salvation;
And renew a right spirit within me! AMEN!!!