Am Freitag, 10.08.2012 stand Mitarbeiten auf dem Programm. Nach dem Frühstück haben wir uns mit dem Jugendchor der lutherischen Kirchengemeinde beim benachbarten Kindergarten getroffen. Während unsere acht Damen dabei halfen Erbsen fürs Mittagessen zu schälen, halfen wir drei Männer Bretter zur Schreinerei zu tragen und für die Instandsetzung der Rutsche beim Kindergarten zuzusägen. Anschließend ernteten wir zusammen mit den afrikanischen Jugendlichen ein kleines Maisfeld neben dem Kindergarten ab.
Bevor es Mittagessen gab, halfen wir noch bei Fertigstellung von Bienenkästen. Diese transportierten am wir Nachmittag gemeinsam mit den Jugendchörlern in den Wald, wo sie in einigen Metern Höhe in den Bäumen aufgestellt wurden. Dabei durfte ich über die Fähigkeiten unserer Gastgeber staunen: Die Bienenkästen hatten ein ordentliches Gewicht, bei dem schon meine Wenigkeit an ihre Grenzen kommt, diese Kästen auf normale Weise, d. h. ungefähr wie eine (volle) Sprudelkiste, über eine Distanz von mehreren 100m zu tragen. Die Tansanier legten sich ein zusammengerolltes oder -gefaltetes Tuch auf den Kopf, gingen in die Knie und hievten sich die Kiste auf den Kopf. Das Tuch sorgte dafür, dass die Kiste, wenn sie ungefähr mittig aufgesetzt wurde, nicht verrutschte oder herabkippte. Dann richteten sie sich wieder auf und liefen so mit ihrer Last in den Wald. Unser Eins bekommt da schon beim Zusehen Nackenschmerzen. Deshalb ist es besonders erstaunlich, dass dieser Kraftakt auch von kleinen, zierlichen Frauen scheinbar nahezu mühelos bewerkstelligt wurde. Diese Leistung nötigt doch ziemlichen Respekt ab.
Die Reise nach Tansania war kein "typischer" Touristentrip. Es war keine Vergnügungsfahrt, kein purer Erholungsurlaub. Das Programm bestand nicht nur aus Ausflügen und Besichtigungstouren. Während unserer Zeit in Tandala besuchten wir verschieden Einrichtungen der Diakonie und Gruppen der örtlichen Kirchengemeinden. Dabei waren wir nicht nur zum Essen eingeladen sondern wir bekamen auch Gelegenheit mitzuhelfen, mit anzupacken. An jenem Freitag beim Jugendchor, in der darauffolgenden Woche bei einer Maisernte.
Mit anderen zusammenarbeiten oder auch zusammenwohnen, den Tagesablauf mit ihnen zu teilen, sie bei der Bewältigung ihrer anstehenden, täglichen Aufgaben zu unterstützen, das ist eine sehr gute Gelegenheit um andere Menschen, fremde Kulturen kennenzulernen. Dadurch erhält man einen Einblick in ihre Lebensumstände und -gewohnheiten. So hat es auch Paulus auf seinen Missionsreisen gemacht. Er hat z. B. Glaubensgeschwister aufgesucht und hat bei und mit ihnen gewohnt und gearbeitet. Das lesen wir so in Apostelgeschichte 18,1-3:
"Danach schied Paulus von Athen und kam gen Korinth und fand einen Juden mit Namen Aquila, der Geburt aus Pontus, welcher war neulich aus Welschland kommen, samt seinem Weibe Priscilla, darum dass der Kaiser Claudius geboten hatte allen Juden, zu weichen aus Rom. Zu denselbigen ging er ein; und dieweil er gleiches Handwerks war, blieb er bei ihnen und arbeitete; sie waren aber des Handwerks Teppichmacher."
Menschen in fremden Ländern, deren Leben und deren Kultur kennenzulernen. Viele junge Menschen machen evtl. gerade auch deswegen ein Freiwilliges soziales Jahr. Ein "Jahr für Gott" wie man es in christlichen Kreisen auch nennt.
Das eigene Leben mit anderen zu teilen kann für viele sehr hilfreich und lehrreich sein. Ich finde es eigentlich schade, dass wir außerhalb unserer Kirchen und Gemeinden, unserer Gruppen und Kreise so wenig die Gelegenheit bekommen, so selten die Möglichkeit geben andere an unserem Leben teilhaben zu lassen. Evtl. auch viel zu selten und viel zu wenig für das Leben unserer Mitmenschen Interesse zeigen. Als Single würde ich z. B. gerne einmal für ein paar Tage oder sogar eine ganze Woche in einer mehrköpfigen Familie mitleben, einfach nur um zu sehen und zu lernen, wie sich der Alltag mit Kindern gestaltet.
Eine andere Möglichkeit das Leben anderer kennenzulernen bietet das Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft (WG). In einer WG mit anderen Christen hat man außerdem noch die Möglichkeit den Glauben miteinander zu teilen, regelmäßig miteinander zu beten und Bibel zu lesen. In Reutlingen (CGR) hatte ich dazu auch einige Jahre Gelegenheit. Gemeinsam mit einem älteren Glaubensbruder, der wie ich Mitglied in der christlichen Gemeinde Reutlingen war, teilte ich mir eine Altbauwohnung. Im selben Haus wohnte ein weiterer Christ aus einer anderen Gemeinde. Es war für mich eine segensreiche Zeit.
Bei meinem Besuch zu Pfingsten dieses Jahres in der CGR wurde im Gottesdienst über eine Aktion der Jugend berichtet: Mehrere Dutzend junger Erwachsener lebten eine Woche lang in einer XXL-WG zusammen. link Eine für alle Beteiligten sicher sehr kurzweilige und interessante Veranstaltung. So etwas ist eine zeitlich begrenzte und damit unverbindliche Gelegenheit, in das Leben anderer hinein zu schauen. (Wenn irgendwer von meinen Lesern mal so etwas planen/organisieren würde, wäre ich auch gerne mit dabei.)
Wir leben in unseren Familien oder allein doch zunehmend nur für uns selbst und auch in den modernen, sozialen Netzwerken geben wir recht wenig von uns preis. Mich würde es freuen, wenn noch mehr Leute von meinen zumeist öffentlichen Posts in meiner Facebook-Chronik Kenntnis nähmen. Wenn noch mehr Freunde und Bekannte die Artikel in meinem Blog lesen würden. Wenn ich sowohl in meiner Chronik, wie auch in meinem Blog noch mehr Kommentare erhielte.