Am Samstag, 11.08.2012 waren wir zu einem Hochzeitgottesdienst eingeladen.
Gleich nach dem Frühstück im Diakoniezentrum sind wir zu Fuß losgegangen. Der Gottesdienst fand in einer etwas weiter entfernten Kirche, in einem anderen Teil von Tandala statt. Wir liefen zügig und legten die Strecke in ca. 45-60 Minuten zurück und kamen fast wie pünktlich bei der Kirche an. Schon unterwegs hatte die Mitarbeiterin des Diakoniezentrums die uns begleitete die Nachricht erhalten, dass sich der Beginn des Gottesdienstes um ca. 1,5 - 2 Stunden verschieben würde.
Wir gingen auf das Gelände eines Kindergartens, der sich neben der Kirch befand, und warteten. Als wir es uns bereits auf der Wiese gemütlich gemacht hatten - einige hatten ihre Jacken aufs Gras gelegt und sich darauf gesetzt oder sogar hingelegt, andere hatten Ihre Schuhe ausgezogen - kam ein Mitglied des Jugendchores, bei dem wir am Vortag zu Gast waren. Er wohnt in einem Haus in aller nächster Nachbarschaft zu Kirche und lud uns ein bei ihm zu warten. Also folgten wir ihm zu seinem Eigenheim. Unser Gastgeber holte Stühle und andere Sitzgelegenheiten heraus in seinen Vorgarten auf denen wir uns niederließen. Dann brachte er noch einen roten Kasten eines amerikanischen Softdrink-Herstellers, der mit Flaschen, unterschiedlichen Inhalts wie z.B. Orangenlimonade gefüllt war, und reichte jedem von uns eine davon, ganz nach bevorzugter Geschmacksrichtung. Somit konnten wir nach dem Fußmarsch unseren Durst löschen und verbrachten die restliche Zeit des Wartens auf angenehme Weise.
Dann kamen endlich die ersten Gäste zur Kirche. Ein Landcruiser, in dem sich der spielende Posaunenchor befand, fuhr vorbei Richtung Kirche und schließlich bekamen wir die Mitteilung, dass das Hochzeitspaar eingetroffen war. Eine bunte, festlich gekleidete Hochzeitsgesellschaft hatte sich vor dem Kindergarten versammelt. Als wir dort eintrafen, war bereits eine tolle Party im Gange. Der Posaunenchor spielte flotte Stücke, die afrikanischen Hochzeitsgäste sangen und tanzten und mittendrin in dem ganzen Trubel das Hochzeitspaar und der Pfarrer der lutherischen Kirchengemeinde. Nach einigen Minuten bewegte sich der ganze Tross Richtung Kirche. Der ganze Zug glich einer Polonaise.
Unsere Gruppe folgte und wir betraten fast als letzte das Kirchengebäude. In der letzten Reihe saß der Posaunenchor, in den beiden Reihen davor durften wir auf einfachen Holzbänken ohne Rückenlehne Platz nehmen. Ganz vorne, in der Mitte vor dem Altar, saß das Hochzeitspaar. Der Pfarrer zelebrierte die Hochzeitsfeier nach lutherischer Liturgie. Diese wurde immer wieder durch teilweise spontane, Gesänge und Tänze der afrikanischen Gottesdienstbesucher unterbrochen, die vom Posaunenchor begleitet wurde. Die gesamte Zeremonie dauerte ungefähr 2,5 Stunden.
Ich habe mit meiner Kamera teilweise gefilmt. Um dabei nicht aufzufallen, größtenteils aus der Hüfte heraus, weshalb das Ergebnis nicht immer ganz so perfekt ist. Trotzdem könnt ihr Euch einen Eindruck von der Stimmung verschaffen, die sich nur schwer in Worten ausdrücken lässt.
Das Warten unserer Reisgruppe auf den Beginn dieser Hochzeitsfeier erinnert mich an eine Geschichte, die Jesus erzählt:
"Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren töricht, und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Öl mit sich. Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und entschliefen. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus ihm entgegen! Da stunden diese Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öle; denn unsere Lampen verlöschen! Da antworteten die klugen und sprachen: Nicht also, auf dass nicht uns und euch gebreche. Gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst! Und da sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit. Und die Tür ward verschlossen. Zuletzt kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euer nicht. Darum wachet! Denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird." (Matthäus 25,1-13)
Es gibt verschieden Auslegungen/Ansichten darüber, was das Öl in diesem Gleichnis symbolisiert. Doch bei fast ausschließlich allen Auslegern wird das Verhalten der 5 fünf törichten Jungfrauen als schlecht und das Verhalten der fünf klugen als gut dargestellt.
Doch möchte ich heute mit meinen Gedanken ein wenig am Lack dieser fünf klugen Jungfrauen kratzen. Mit einem Seitenblick auf die Speisung der 5000, bei der eine geringe Menge an Nahrungsmitteln ausreichte, um eine große Volksmenge zu sättigen, möchte ich die Frage stellen: Was wäre, wenn die Klugen im Vertrauen auf die Fähigkeiten Ihres Herrn und Meisters doch etwas von ihrem Öl an die Törichten abgeben würden?
Was auch immer es ist von dem die klugen Jungfrauen genügend und die törichten zu wenig haben, die törichten Jungfrauen symbolisieren m. E. nicht ungläubige Menschen. Das für beide Gruppen derselbe Begriff (Jungfrauen) verwendet wird zeigt mir, dass es sich bei allen zehn um Menschen handelt, die zur weltweiten Gemeinde Gottes gehören, Menschen, die sich einmal bewusst für ein Leben mit Jesus entschieden haben.
In unseren Kirchen und Gemeinden gibt es eine vielleicht ungeahnte Vielzahl von Frauen und Männern, die formal dazugehören, sich evtl. sogar, wie in freikirchlichen Gemeinden üblich, als Gläubige, d.h. erwachsene Menschen taufen haben lassen. Sie besuchen regelmäßig unsere Gottesdienste und Gruppen, arbeiten auch tatkräftig in der Gemeinde mit, doch mit ihrer inneren Überzeugung sind sie nicht (mehr) richtig dabei. Widrige Lebensumstände schüren ihr Misstrauen gegenüber dem himmlischen Vater. Grausame Schicksalschläge lassen sie an der Wahrheit der biblischen Aussagen (ver)zweifeln. Unerfüllte Wünsche und enttäuschte Erwartungen haben ihren einst starken Glauben heftig erschüttert. Verletzungen und Enttäuschungen durch andere Glaubensgeschwister führten dazu, dass sie nun ihrerseits nicht mehr motiviert genug sind, kompromisslos und mit ungeteiltem Herzen Gottes Geboten zu gehorchen. Wenn nun die welche meinen fest und unerschütterlich im Glauben zu stehen sich nicht ihrer annehmen, sich um sie kümmern, ihnen nichts von ihrem Öl abgeben, werden diese am Ende wie die törichten Jungfrauen vor verschlossener Türe stehen.
Was haben wir? Was können wir diesen Mitschwestern und Mitbrüdern geben? Können wir ihnen nicht durch ein kleines Zeichen der Anteilnahme und Wertschätzung, ein Stück der Liebe Gottes weitergeben und ihnen dadurch die Wartezeit auf seine Wiederkunft erleichtern? Haben wir nicht genügend Glauben, nicht genügend Heilligen Geist um ihnen zu helfen? Können wir es uns leisten, ihnen etwas von den Gaben, die Gott uns gegeben hat, abzugeben, sie an den Segnungen, die wir von Ihm empfangen haben, teilhaben lassen? Können wir das tun, ohne Angst zu haben, dass uns selbst dann etwas fehlt, dass wir dadurch etwas verlieren? Ich sage: "Yes, we can. - Ja, wir können!"
An einer anderen Stelle sagt Jesus: "Und wer dieser Geringsten einen nur mit einem Becher kalten Wassers tränket in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch, es wird ihm nicht unbelohnet bleiben!" (Matthäus 10,42)