Vorletzte Woche habe ich begonnen meine Gedanken über die Verse des Psalm 127 an dieser Stelle zu veröffentlichen. Heute möchte ich das mit einer Betrachtung von Vers 3 fortsetzen. Er lautet:
"Siehe, Kinder sind eine Gabe des HErrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk."
Die Gedanken die mich heute zu diesem Vers bewegen sind nicht einfach in Worte zu fassen. Sie stehen unter dem Eindruck der Nachrichtenmeldungen der letzten Wochen. Da war ein Mann aus Dänemark der infolge der Scheidung von seiner Frau in einem Waldstück nahe Berlins sein Auto, indem seine beiden Töchter saßen und schliefen, mit Benzin übergoss und anzündete. Da war das 11jährige Mädchen dessen Leiche in einem Parkhaus gefunden wurde. Da ist eine 8jährige die von einem unbekannten auf einer Schultoilette missbraucht wurde. Und nicht zu vergessen die fast schon täglich gewordenen Funde einer Babyleiche, weil eine Mutter durch die Geburt ihres Kindes total überfordert ist und deshalb den Säugling tötete.
Angesichts dieser wirklich schockierenden Meldungen stelle ich mir die Frage: Was ist eine Kind wert?
Die eingangs genannten Nachrichtenmeldungen über den sexuellen Missbrauch oder gar die Tötung von Kindern rufen in uns allen ausnahmslos und zweifelsfrei Bestürzung und Entsetzen hervor. Doch sind wir einmal ehrlich: Es gibt Bereiche im Leben unserer westlichen, zivilisierten Gesellschaft, da ignorieren wir den Missbrauch von Kindern oftmals nicht nur wissentlich, nein wir tolerieren und konsumieren ihn sogar.
- Kindersoldaten: Minderjährige kämpfen mit Waffen für die Interessen rücksichtsloser Befehlshaber und gewissenloser War-Lords in Bürgerkriegen und ähnlichen gewalttätigen Konflikten. Sie zerstören, plündern, morden, werden dabei selbst verletzt, gefangen genommen oder gar getötet. Die Eurokrise und die Affären unserer Politiker füllen täglich die Schlagzeilen unserer Presse. Aber die Kinder deren Leben infolge von Kriegshandlungen Schaden nimmt sind zumeist nicht einmal eine Randnotiz wert.
- Kinderarbeit: Minderjährige tragen in Ländern der zweiten und dritten Welt mit dem Werk ihrer Hände zum Lebensunterhalt ihrer Familien bei. Sie helfen für einen Hungerlohn und unter teils menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen mit bei der Herstellung/Produktion von Textilien, Spielzeug und Nahrungsmitteln. Die Endprodukte sind recht günstig und werden besonders in Europa und Nordamerika gerne zum Kauf angeboten. Durch ihren Erwerb fördern und begünstigen wir die Arbeit von Kindern.
- Kinderstars: Minderjährige treten als Darsteller in Film und Werbung oder als Sängerinnen bzw. Sänger auf. Sie werden in jungen Jahren bereits in das Showbusiness geworfen. Diese Kinder dienen nicht nur zu unserer Belustigung und Unterhaltung. Sie werden auch in jungen Jahren schon dazu animiert, nur ihren eigenen Erfolg im Blick zu haben, sich gegenüber anderen ohne Rücksicht auf deren Verluste zu behaupten und durchzusetzen. Wir schauen ihnen dabei gerne zu, applaudieren und bekunden damit unser Wohlgefallen. Jetzt soll es übrigens demnächst "DSDS Kids" geben. Eine Version der bekannten Casting-Show bei der Kinder ab vier Jahren um die Gunst des Publikums buhlen, natürlich wieder mit Dieter Bohlen in der Juri.
- Promi-Adoptionen: Berühmte Künstler der Musik- und Filmindustrie reisen um die Welt und erwerben sich das Sorgerecht für Kinder aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Was wie eine Geste der Wohltätigkeit von Madonna und Co. aussieht ist nichts weiter als eine PR-Maßnahme. Die Kinder aus vormals ärmlichen Verhältnissen wachsen unter der Obhut dieser neuen, wohlhabenden Eltern wie kleine Prinzessinnen und Prinzen auf. Diese Kinder verkommen zu einem Statussymbol.
- Wirtschaftsfaktor: Immer mehr werden Kinder in unserem Land zu einer Rechengröße bei der Berechnung von Abgaben und Sozialbeiträgen. Das ist nicht zuletzt durch den Rückgang der Geburtenrate, der höheren Lebenserwartung älterer Menschen und der dadurch knapper gewordenen Finanzmittel in der Rentenkasse geschuldet. Der aktuellste Vorschlag aus CDU-Kreisen Kinderlose durch höhere Steuern an den Kosten die unserer Gesellschaft durch Kinder entstehen zu beteiligen ist gleichermaßen so berechtigt wie ungerecht. Er macht Kinder zu einer Frage der finanziellen Wirtschaftlichkeit. Wenn in Zeiten leerer, öffentlicher Kassen die Kommunen und Träger sozialer Einrichtungen darüber nachdenken die Unterstützung bzw. Finanzierung von Bildungs- und Freizeiteinrichtungen zu kürzen oder gar zu streichen, geht das zu allererst zu Lasten der jüngeren, nachwachsenden Generation. Kinder sind ein Luxusgut unser Gesellschaft.
Angesichts dieser Tatsachen ist es doch sehr wohltuend zu wissen welchen Stellenwert die Kinder bei Jesus besitzen:
"Lasset die Kindlein und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solcher ist das Himmelreich." (Matthäus 19, 14)