Heute Morgen habe ich in meinem Andachtsbuch Verse aus Psalm 69 gelesen:
"GOtt, hilf mir; denn das Wasser gehet mir bis an die Seele. Ich versinke in tiefem Schlamm, da kein Grund ist; ich bin im tiefen Wasser, und die Flut will mich ersäufen. Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heisch; das Gesicht vergehet mir, dass ich so lange muss harren auf meinen GOtt. Die mich ohne Ursache hassen, der ist mehr, denn ich Haare auf dem Haupt habe. Die mir unbillig feind sind und mich verderben, sind mächtig. Ich muss bezahlen, das ich nicht geraubt habe." (Vers 2-5)
Nach diesen Versen musste ich innehalten. Moment mal dachte ich mir, das kenne ich. Diese Empfindungen, die David hier ausdrückt, die habe ich doch gerade auch. Gefühlsmäßig mache ich doch z. Zt. etwas ganz Ähnliches durch.
Die letzten Wochen habe ich auf Facebook durch alle mögliche eigene Beiträge in meiner Chronik und in diversen Gruppen sowie durch Kommentare auf Beiträge von FB-Freunden versucht meinem Wunsch Ausdruck zu verleihen, endlich einmal eine feste Beziehung zu einer weiblichen Person aufbauen zu können. Endlich eine Partnerin finden zu dürfen. Endlich die erste Liebe erleben zu dürfen.
An dieser Stelle möchte ich mir nochmals den Hinweis erlauben, dass ich noch nie eine Freundin hatte. Was andere Jungs bzw. Männer die 10-20 Jahre jünger sind als ich wie selbstverständlich "geschenkt" bekommen habe ich noch nie gehabt bzw. erlebt.
Alle meine Versuche in den vergangenen Monaten auf die oben beschriebene Weise mit jungen, hübschen Frauen die mich faszinieren in Kontakt zu treten brachten mir (bisher) nicht den erwünschten Erfolg. Mit allen meinen Versuchen die Damenwelt auf mich aufmerksam zu machen bzw. bei den Frauen Interesse an meiner Person zu wecken stieß ich meistens nur auf Ablehnung oder Kritik.
Fast scheint es mir heute so als trage ich ein großes Schild um meinen Hals gehängt auf dem alle meine Sünden aus meiner Jugend, aus den vergangen Jahren aufgelistet sind. Ich habe das Gefühl als ließe Gott mich für Schulden bezahlen, die ich real nie begangen habe (virtuell, d.h. in meiner Phantasie jedoch schon).
Es ist als wären mir gegenüber alle Frauen feindlich gesinnt, als hätten sie sich alle gegen mich verschworen. Von manchen bekomme ich ihre Ablehnung auch ganz offen, schriftlich zu lesen. Sie schreiben mir direkt, dass sie keinen Kontakt zu mir wünschen. Dabei kennen sie mich doch eigentlich gar nicht richtig und geben sich auch nicht einmal die Mühe mich kennen zu lernen.
Meinen Ärger und meinen Frust darüber habe ich mehrfach laut und deutlich zu Gott herausgeschrien, teilweise so heftig, dass ich hinterher davon mental und körperlich fix und fertig war.
Der unerfüllte Wunsch, das ungestillte Verlangen nach ehrlicher Annahme und Wertschätzung auf der einen Seite gleicht einem Schlamm, in dem ich zu versinken glaube. Die übermächtige Versuchung, die "günstige" Gelegenheit auf der anderen Seite mir Liebe und Zärtlichkeit auf andere Weise zu verschaffen, gewissermaßen für Geld zu kaufen gleicht einem tiefen Wasser, in dem ich keinen Halt finde, in dem ich nicht mehr stehen kann. Die wahnsinnige Angst vor dem Alleinsein und davor Gott gegenüber in Sünde zu fallen, die große Sorge um meine Zukunft gleicht gefährlichen Wellen, die auf mich zurollen und mich zu überspülen drohen. Kann ich schwimmen? Bleibe ich oben oder gehe ich unter und ertrinke?
Doch der Psalm Davids geht weiter. Einige Verse später lesen wir:
"Ich will den Namen GOttes loben mit einem Liede und will ihn hoch ehren mit Dank. Das wird dem HErrn bass gefallen denn ein Farre, der Hörner und Klauen hat. Die Elenden sehen und freuen sich; und die GOtt suchen, denen wird das Herz leben. Denn der HErr höret die Armen und verachtet seine Gefangenen nicht." (Vers 31-34)
Sollte das wahr sein? Gilt das auch für mich?
Schon seit meiner Realschulzeit, als ich mich das erste Mal in ein Mädchen verliebt hatte, bete ich zu Gott, dass ER mir doch eine Freundin bzw. eine Ehefrau schenken möge. Doch bisher blieb mir die Erhörung versagt. Schon allein deshalb fällt es mir heute schwer Gott weiter zu vertrauen, an die Erhörung meines Gebetes Erfüllung meines Wunsches in (naher?) Zukunft zu glauben.
Und wofür sollte ich Gott loben, wofür IHN ehren?
Doch dann erinnere ich mich daran, dass ohne IHN alles viel schlimmer gekommen wäre. IHM und seinen Engeln, die ER zu meinem Schutz um mich gestellt hat, habe ich es zu verdanken, dass es in meiner Vergangenheit nicht noch schlimmer gekommen ist. Dass ich heute hier vor meinem PC sitzen und diesen Artikel schreiben kann, das habe ich allein seiner Bewahrung, seiner Fürsorge zu verdanken.
Alles das erinnert mich an das altbekannte Lied „Wellen der Angst“ von Gerhard Schnitter:
-
Wellen der Angst kommen auf mich zu,
beklemmen und hemmen, nehmen mir die Ruh.
Angst vor dem Leben und der Einsamkeit,
dem Sterben, dem Alltag und der freien Zeit.
Refrain:
Aber der Herr ist immer noch größer,
größer als ich denken kann.
ER hat das ganze Weltall erschaffen.
Alles ist ihm untertan.
-
Wellen der Schuld überrollen mich,
bedrücken, blockieren und vermehren sich.
Schuld durch mein Handeln, Reden und mein Sein,
an Gott und dem Nächsten und an mir allein.
Refrain:
Aber der Herr ist immer noch größer,
größer als ich denken kann.
ER hat das ganze Weltall erschaffen.
Alles ist ihm untertan.
-
Wellen des Leides fesseln meinen Blick,
verdunkeln und lähmen, ziehen mich zurück,
Leid durch Entbehrung, Hoffnungslosigkeit
durch Bosheit, durch Gräber und durch Krankheitszeit.
Refrain:
Aber der Herr ist immer noch größer,
größer als ich denken kann.
ER hat das ganze Weltall erschaffen.
Alles ist ihm untertan.
-
Wellen der Sorge strömen durch den Tag,
sie treiben, sie quälen, werden mir zur Plag.
Sorge ums Dasein, um das Lebensglück;
um Aufstieg und Ehre und um mein Geschick.
Refrain:
Aber der Herr ist immer noch größer,
größer als ich denken kann.
ER hat das ganze Weltall erschaffen.
Alles ist ihm untertan.
-
Durch alle Wellen trägt ER mich an Land.
Geborgen voll Freude, faß ich seine Hand.
Ist auch das Brausen übermächtig groß:
ER geht auf den Wellen und lässt mich nicht los.
Refrain:
Denn der Herr ist immer noch größer,
größer als ich denken kann.
ER hat das ganze Weltall erschaffen.
Alles ist ihm untertan.